Nach einem gescheiterten Versuch beim MedAT muss man umso motivierter wieder in die Vorbereitungen starten

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MedAT nicht geschafft? – Kein Problem! Wie du wieder motiviert durchstartest.

Ein Schicksal, das leider jedes Jahr tausende von Studienbewerber:innen verbindet: Scheitern beim MedAT. Der Aufnahmetest fürs Medizinstudium in Österreich ist mittlerweile überall berühmt und berüchtigt. Jedes Jahr nehmen mehr Menschen teil. Meist mit dem seit Jahren vorhandenen Traum, eines Tages als Arzt oder Ärztin arbeiten zu können. Die Anzahl der Plätze, die letztendlich vergeben werden kann, ist im Vergleich zum Interesse spärlich. Eine Platzzusage zu erhalten, wird deshalb immer unwahrscheinlicher und der Druck auf die Teilnehmenden wird größer und größer. Was die Antritte pro Person angeht, gibt es keine Grenze nach oben. So finden sich zwischen Bewerber:innen, die das erste Mal antreten auch „alte Hasen“, die zum wiederholten Mal ihr Glück versuchen. Blickt man am Testtag durch die Reihen, findet man Hoffnung, wo man nur hinschaut. Ist der MedAT einmal vorbei, folgt einige Wochen später aber für die allermeisten die große Ernüchterung: Für einen Studienplatz hat es nicht gereicht. Das erste Mal ist das für die meisten noch verkraftbar. Beim zweiten oder dritten Mal, nehmen Angst, Frust und Selbstzweifel jedoch womöglich Überhand. Die monatelange Vorbereitungsphase mit genügend Motivation und Ehrgeiz erneut auf sich zu nehmen, um dann vielleicht wieder enttäuscht zu werden, ist eine riesen Herausforderung. 

Um dir zu zeigen, dass und wie es möglich ist, haben wir Melanie zu einem Interview eingeladen. Sie ist neu in unserem get-to-med-Team und darf sich seit Oktober 2021 endlich ganz stolz als Medizinstudentin bezeichnen. Ihr Weg bis hierhin war allerdings nicht einfach: Melanie hat den MedAT nämlich erst im dritten Anlauf geschafft. 

Hey Melanie! Na, hast du dich schon ein bisschen ins Medizinstudium einfinden können?  

Ja total! Ich kenne einige, die den MedAT auch dieses Jahr bestanden haben. Das hat mir den Start natürlich ein bisschen erleichtert. Außerdem kommt man in das System der MedUni Wien ganz schnell rein, vor allem, weil derzeit noch vieles im Distanz-Learning ist. Auch durch die Kleingruppen wird einem vieles erleichtert. Man hat quasi eine Mini-Klasse, mit der man im engen Austausch ist und die bei Unklarheiten weiterhelfen kann.  

 

Da hast du Recht, ich kann mich selbst noch gut an diese Anfänge erinnern.  
Erzähl uns doch mal, wann und wieso du dich entschieden hat, Medizin zu studieren.  

Ich habe bereits in der Volkschule gesagt, dass ich mal Ärztin sein will. Natürlich kann man das in dem Alter noch nicht so ganz ernst nehmen. Aber auch während meiner Zeit am Gymnasium hat sich daran nichts geändert. In der Maturaklasse habe ich mich dann endgültig entschieden und mich für den MedAT angemeldet. Der Grund, warum ich immer Medizin studieren wollte, ist, dass ich den menschlichen Körper als komplexes System sehr interessant finde, vor allem durch mein persönliches Interesse an Ernährung und Sport. Außerdem finde ich es toll im Gesundheitswesen mitzuwirken und Menschen in schweren Phasen zu helfen.  

 

Das heißt, du hast das erste Mal direkt nach dem Schulabschluss am MedAT teilgenommen. Wie hast du dich für diesen ersten Versuch vorbereitet?  

Kein bisschen! Ich wusste ehrlich gesagt auch gar nicht, was mich erwartet. Ich bin zwei Tage vor dem MedAT von meiner Maturareise zurückgekommen. Da blieb mir nicht allzu viel Zeit zum Lernen. Ich habe das alles auch eher entspannt gesehen und bin ohne Hoffnung hingegangen, weil ich mir das Ganze eben mal anschauen wollte. Natürlich war mir klar, dass das ohne Vorbereitung nichts wird. Außerdem wollte ich nach der Matura erstmal ein Jahr Pause machen, was mir auch wirklich gutgetan hat! 

 

Der Schock, als die Ergebnisse kamen, war dann wahrscheinlich nicht allzu groß, oder? 

Nein, der war überhaupt nicht vorhanden. Ich habe den ersten Antritt, wenn man so will, eher als Ausflug gesehen. Ehrlich gesagt habe ich das Ergebnis auch nicht abgewartet, ich kannte den Ausgang ja schon. Ich habe einfach meinen Restsommer genossen und mir diesbezüglich gar keine Gedanken gemacht.  

 

In dem Jahr zwischen deinem ersten und zweiten Antritt beim MedAT: Wie hast du die Zeit verbracht und wann hast du wieder angefangen zu lernen? 

Erstmal gab es für mich, wie bereits erwähnt, einen coolen Sommer. Im Herbst habe ich dann begonnen Lebensmittel- und Biotechnologie auf der Universität für Bodenkultur in Wien zu studieren und gleichzeitig geringfügig in einer dermatologischen Ordination zu arbeiten. Weil mich jeder immer fragt, wie ich auf das Studium gekommen bin: Die Aufnahmefristen für Biologie, Ernährungswissenschaften und Chemie waren leider schon vorbei und ich wollte eine Übergangslösung haben. Jedenfalls habe ich das dann 2 Semester studiert, wobei ich im 2. Semester kaum was für die Uni gemacht habe. Erstens bedingt durch die Vorbereitung für den MedAT und zweitens durch die Corona-Situation. Weil das Studium ohnehin nur eine Übergangslösung war, war mir das aber relativ egal. Bei meinem Job in der Ordination bin ich trotzdem geblieben und habe dann sogar Teilzeit gearbeitet, weil mir das einfach wichtiger war. Dort konnte ich nämlich schon einen Einblick in den medizinischen Bereich bekommen. 

Mit der Vorbereitung habe ich gegen Jahresanfang 2020 begonnen, genau weiß ich es leider nicht. Ich habe mich in meiner Vorbereitung vor allem auf den KFF-Teil fokussiert, weil ich da bei mir die größten Defizite und somit auch das größte Potenzial nach oben gesehen habe. Den BMS-Teil habe ich aus Fachbüchern selber ausgearbeitet.  

Was ist in dir vorgegangen, als du erfahren hat, dass es wieder nicht gereicht hat?  

„Der Test ist nur eine momentane Leistungsprüfung!“

Nachdem das mein erster ordentlicher Antritt war, war die Enttäuschung natürlich anfänglich sehr groß. Ich bin dann auch zur Testeinsicht gegangen. Das hat mir sehr geholfen, meine Leistung zu reflektieren und herauszufinden, woran ich gescheitert bin. Ich habe mir bereits am Tag der Testergebnisse vorgenommen, dass ich dranbleibe und im nächsten Jahr nochmal antrete. Natürlich war es am Anfang recht schwierig das zu akzeptieren. Ich habe versucht, mir nicht allzu viel draus zu machen und habe das Ergebnis erstmal verdaut. Zum Jahresanfang 2021 bin ich dann gestärkt in meine Vorbereitung gegangen. 

 

Woran bist du deiner Meinung nach gescheitert? 

Ich denke, dass ich mir vor dem Test einen enormen Druck gemacht habe. Ich war sehr nervös, was sich in einigen Konzentrationsfehlern widergespiegelt hat. Bei der Testeinsicht ist mir aufgefallen, dass ich beispielsweise beim Übertragen auf den Antwortbogen verrutscht bin und Antworten versetzt eingetragen habe. Außerdem habe ich den Fokus doch zu sehr auf den KFF-Teil gelenkt und bin beim Lernen des BMS zu oberflächlich geblieben. Die Mischung dieser Faktoren hat denke ich dazu geführt, dass es knapp nicht für einen Studienplatz gereicht hat. 

 

Hast du an irgendeinem Punkt mal an dir selbst gezweifelt? Und wenn ja, was hat dir geholfen, um wieder an dich zu glauben? 

„Verloren hat man erst, wenn man den Schläger wegschmeißt!“

Natürlich war es am Anfang nicht das schönste Gefühl, eine Studienplatzabsage zu bekommen. Selbstzweifel in dem Sinne hatte ich nicht. Der Test ist ja auch nur eine momentane Leistungsüberprüfung, wodurch es gar keinen Grund gibt, an sich selbst zu zweifeln. Man muss die Situation akzeptieren und auch selbst reflektieren, was man hätte besser machen können und was schon ganz gut gelaufen ist. Die Testeinsicht ist dazu echt genial! Also zusammenfassend: Versuch das Positive an der Situation zu finden. Hinterfrage nicht gleich dein ganzes Wissen und Können, nur weil es jetzt für dieses Mal nicht gereicht hat! 

 

Das ist sicher ein guter Rat für alle, die gerade in der Situation stecken.  
Wie hast du es danach geschafft, dich nochmal zu motivieren und so richtig durchzubeißen? 

Prinzipiell bin ich eine sehr ehrgeizige und zielstrebige Person. Diese Eigenschaften habe ich vor allem dem Sport zu verdanken. Ich habe lange Zeit vereinsmäßig Tennis gespielt. Im Sport braucht man eben ein gewisses Maß an Disziplin und Ehrgeiz. Ich habe Parallelen zwischen MedAT und Tennis ziehen können. Im Tennis ist es immer wieder so, dass man eine Trainingsphase mit guten Spielzügen und Ergebnissen hat. Darauf folgt meistens wieder eine schlechtere Phase, durch die man sich mühsam durchhanteln muss. Bleibt man dran, ist der Lohn mehr Erfahrung, Wissen und Kenntnis über sich selbst. Das nächste Hoch folgt dann bestimmt. Man könnte also sagen: Es kann nur besser werden. Genau so ist das beim MedAT. Ich habe das Match nicht gewonnen, aber ich habe die Vorbereitung hinter mir! Und das kann mir natürlich niemand nehmen. Genau da setzt man dann an. Man kommt also aus einem kleinen Tief zurück. Wirklich verloren hat man erst dann, wenn man den Schläger wegschmeißt. 

Da ich durch den Sport einen total guten Ausgleich hatte und meine Freunde mir auch immer Motivation zugesprochen haben, fiel es mir meistens nicht schwer, mich zum Lernen zu motivieren. Ein großes Dankeschön geht auch an meine Eltern, die mich mit allen Mitteln unterstützt haben und mir beigestanden sind. Dass ich nebenbei immer noch in der Ordination tätig war, war auch ein sehr motivierender Aspekt. Ich hatte regelmäßig Einblick ins Berufsfeld und konnte mir mehrmals pro Woche bestätigen lassen, dass ich den Job als Ärztin wirklich machen will.  

 

Wann und wie hast du wieder zu lernen begonnen? 

Den Herbst und Winter habe ich noch genossen. Danach wusste ich, dass es an der Zeit war, noch ein letztes Mal durchzubeißen. Meine Vorbereitungen habe ich dann Anfang 2021 wieder aufgenommen. Ich muss allerdings dazu sagen, dass ich bei weitem nicht jeden Tag gelernt habe. In der Endphase, also im letzten Monat, war es natürlich intensiver, davor eher locker. Außerdem habe ich mich, anders als bei den Vorbereitungen für das letzte Jahr, niemals zum Lernen gezwungen. Das ist auch gar nicht notwendig, wenn man rechtzeitig mit der Vorbereitung beginnt und sich das gut einteilt. Wobei rechtzeitig natürlich für jeden etwas anderes bedeutet. 

Ich habe primär alleine gelernt. Bei Unklarheiten und in der finalen Vorbereitungsphase war ich zusätzlich im engen Austausch mit einer Freundin, die den MedAT dieses Jahr auch geschrieben hat. Wir haben zusammen nochmal den ganzen BMS durchgekaut und Fragen geklärt.  

„Das wichtigste ist dir vor Augen zu halten, warum du es tust.“

Da bei uns Physik im Gymnasium sehr knapp bemessen war, war das auch der Bereich, bei dem ich die meisten Schwierigkeiten hatte. Nachdem ich aber einige Dokus dazu geschaut habe, bin ich auf den Geschmack gekommen und habe sogar ein Interesse dafür entwickelt. So hat mir Physik im Endeffekt Spaß gemacht und ich habe es auch zum ersten Mal richtig verstanden.  
Dem kognitiven Teil habe ich dieses Mal eher wenig Beachtung geschenkt. Zwar habe ich hin und wieder ein paar Aufgaben zu Wortflüssigkeit und Zahlenfolgen gemacht, die Abstände waren aber immer sehr großzügig. Den Monat vor dem MedAT habe ich dann fast jeden Tag ein KFF-Set geübt. 

 

Wie ist der dritte MedAT dann letztendlich abgelaufen? Du warst vermutlich unglaublich nervös, oder? 

Beim 3. Anritt war ich lustigerweise deutlich weniger nervös als beim 2. Antritt. Nichtsdestotrotz war der MedAT eigentlich recht „ungünstig gelegen“ da ich zwei Tage vor dem MedAT einen Todesfall im engen Familienkreis hatte. Obwohl es sehr schwierig war, habe ich es geschafft die Situation auszublenden und den vollen Fokus auf den MedAT zu lenken. Und es hat geklappt!  

 

Jetzt würde uns natürlich interessieren, wie du dich gefühlt hast, als du endlich eine Platzzusage bekommen hast? 

Das war ein unbeschreibliches Freudegefühl. Ich bin echt aufgesprungen und habe erstmal geschrien. Es war aber für mich bis zum ersten Tag der Universität nicht wirklich greifbar. Ich habe bis zum Unistart nicht realisiert, dass ich diesen Meilenstein MedAT für alle Zeit hinter mich gebracht habe.  

 

Möchtest du unserer Leserschaft, die sich womöglich in einer ähnlichen Situation befindet, noch irgendwelche Tipps mit auf den Weg geben? 

Das wichtigste ist, dass du dir vor Augen hältst, warum du es tust. Du musst selber an dich glauben und selbst das „Scheitern“ als Gewinn sehen. Denn du hast an Erfahrung und Wissen gewonnen. Ich denke, dass es auch ganz wichtig ist, sich den Stress zu nehmen und sich während der Vorbereitung auch viel Zeit für seine Hobbies und Freizeit zu nehmen. Im Endeffekt sind genau das Aspekte, die den Lerneffekt verstärken und dich motiviert in die Lernsession einsteigen lassen. Kürze also niemals an den Sachen, die dir Spaß machen.  
Teil dir die Sachen bewusst ein. Ich selber war beispielsweise vorm MedAT noch auf Urlaub und bin dann eine Woche vor dem MedAT ausgeruht heimgekommen. Außerdem ist es wichtig, dass du Spaß am Lernen findest. Denk daran wieso du es machst! Das erleichtert dir das Lernen und macht es natürlich auch effizienter. So sparst du dir enorm viel Zeit. 

Abschließend möchte ich dir ganz viel Glück beim MedAT wünschen. Bleib dran, es lohnt sich!  

 

Danke Melanie, dass du deine Erfahrungen mit uns geteilt hast! Ich bin sicher, dass deine Tipps vielen Studienbewerbern helfen werden, ihren Ehrgeiz wiederzufinden. 

Zusammenfassend könnte man sagen, dass alle MedAT-Teilnehmer denselben Traum haben: Ihr Interesse an der Medizin in den Arztberuf zu verwandeln. Dieses Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, bildet die Grundlage für ein ausreichendes Durchhaltevermögen während der MedAT-Vorbereitungen. Vor allem, wenn man schon das ein oder andere Mal gescheitert ist. Zu „dumm“ um den Test zu schaffen, ist mit Sicherheit niemand. Es geht vielmehr darum, nach dem Scheitern wieder und wieder aufzustehen. 

Das Medizinstudium dauert mindestens 6 Jahre. Die Facharztausbildung danach noch einmal genau so lange. Später arbeitet man dann noch viele Jahrzehnte in diesem Berufsfeld. Was sind also zwei, drei oder vier Jahre, die man früher oder später damit beginnt? Irgendwann fragt einen niemand mehr, wie viele Versuche man für den MedAT gebraucht hat. 

Eine Aussage von Melanie während des Interviews ist mir besonders im Kopf geblieben: „Du musst selber an dich Glauben und selbst das Scheitern als Gewinn sehen. Denn du hast an Erfahrung und Wissen gewonnen.“ Daraus kann man folgenden Gedanken ziehen: Jeder Monat, jede Woche und jeder Tag, die du für einen Versuch beim MedAT gelernt hast, geben dir ebenso viel Vorsprung gegenüber den anderen Testteilnehmern beim nächsten MedAT. Nutze die Testeinsicht unbedingt aus, um deine Vorbereitungen im nächsten Jahr effektiver zu gestalten. Beginne auf jeden Fall früh genug mit dem Lernen. So kannst du Tage, an denen du dich nicht motivieren kannst, nutzen, um etwas Schönes für dich zu tun. Am nächsten Tag kannst du dann wieder richtig durchstarten. 

Und vor allem: Glaub an dich! Jeder Mensch ist anders und geht mit anderen Grundlagen und Talenten in den Test. Das macht dich mit Sicherheit nicht zu einem schlechteren Arzt oder zu einer schlechteren Ärztin. Wo ein Wille, da ein Weg. Selbst wenn es sich mal nicht so anfühlen mag. 

Ist man beim MedAT gescheitert, heißt es weitermachen, anstatt zu zweifeln
Melanie Duvnjak
Melanie Duvnjak

Melanie studiert seit 2021 Humanmedizin an der Medizinischen Universität Wien. Wenn du ihr Interview interessant fandest, kannst du dich gerne für den MedAT-Sohbet (Talk anmelden).

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