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Emotionen regulieren für den MedAT 2023

Nach langer Zeit ist es wieder soweit: der medizinsche Aufnahmetest in Österreich (MedAT) hat wieder einen neuen Untertest – das verrückte daran: es geht schon wieder um Emotionen!

Neuer Untertest des Testteils sozial-emotionale Kompetenzen

Nachdem es in den letzten Jahren immer wieder Druck aus der Politik gab, soziale Kompetenzen beim MedAT stärker zu gewichten, haben sich die MedUnis dem Willen der Politik gebeugt und haben den Testteil sozial-emotionale Kompetenzen (SEK) um einen weiteren Untertest neben dem Sozialen Entscheiden und dem Emotionen erkennen erweitert. Der neue Untertest heißt Emotionen regulieren (ER). Was kann man sich unter diesem Test vorstellen?

Laut offizieller Quelle heißt es:

Emotionen regulieren (ER): Erfasst die Kenntnisse der Studienwerber*innen über die Effektivität verschiedener Arten des Umgangs mit Emotionen in unterschiedlichen Situationen, in denen bestimmte Ziele erreicht werden müssen. Hierzu sollen die Studienwerber*innen aus vier angebotenen Alternativen jene Art des Umgangs mit Emotionen auswählen, mit der die vorgegebenen Ziele am besten zu erreichen sind.

Wie werden die Aufgaben aussehen?

Laut der offiziellen Quelle werden beim Untertest Emotionen regulieren, ähnlich wie beim Sozialen Entscheiden und bei Emotionen erkennen, dem Prüfling Situationen zwischenmenschlicher Interaktionen geschildert werden, bei denen man entscheiden muss, welche Methode der Kontrolle von Emotionen am effektivsten ist, um diese Situation der Fragestellung nach am korrektesten zu bewältigen. Es wird dabei pro Aufgabe wohl stets eine Situation geschildert werden, mit vier Antwortmöglichkeiten in Form von Arten des Umgangs mit Emotionen.

So könnte eine Aufgabe beim Untertest Emotionen regulieren aussehen:

Situation:

Niklas ist ein sehr ehrgeiziger und schlauer 18-jähriger Junge und ist in der Schule stets Klassenbester gewesen. Selten hat Niklas schlechtere Noten als eine 1- geschrieben.

Letzte Woche, am Vortag vor einer wichtigen Physik-Arbeit hat Niklas schlecht geschlafen, da seine Eltern länger bei Freunden zu Besuch waren und  seine jüngeren Geschwister sich im Nebenzimmer trotz mehrmaliger Ermahnungen durch ihn laut Unterhalten und miteinander gespielt haben.

Heute, eine Woche nach der Arbeit erhält er sein Ergebnis. Seine Note ist eine 3- und er ist dieses Mal nur der Viertbeste in seiner Klasse. Als er die Note erhält, spürt Niklas Enttäuschung, sowie auch Wut auf seine Geschwister und ebenfalls Neid, da andere Schüler dieses Mal besser abgeschnitten haben als er.

Wie kann Niklas in dieser Situation seine Emotionen am besten regulieren, um bei der nächsten Klassenarbeit wieder der Klassenbeste zu sein?

Antwortmöglichkeiten:

A: Er kann seinen Mitschülern ehrlich kommunizieren, dass er enttäuscht darüber ist, nicht der Klassenbeste zu sein und versprechen, bei der nächsten Klassenarbeit wieder eine 1+ zu schreiben.

B: Er kann seine Wut, seinen Neid und seine Enttäuschung empfinden und wahrnehmen und im Anschluss rational entscheiden, dass die beste Methode, wieder Klassenbester zu werden wohl ein Gespräch mit seinen Geschwistern ist, um ihnen in Ruhe und mit Sachlichkeit zu erklären wie wichtig sein Schlaf für gute Leistungen in der Schule ist.

C: Er kann mit seinem Lehrer sprechen und ihm erklären, dass er die Klassenarbeit noch einmal schreiben möchte, da seine Geschwister ihn am Vorabend lange wach gehalten haben und er deshalb eine schlechte Note geschrieben hat.

D: Er kann seinen Eltern sagen, dass der Grund, weshalb er eine schlechte Note geschrieben hat, seine Geschwister waren, die ihn am Vorabend lange wach gehalten haben.

Korrekte Antwort: (B)

(B): In dieser Antwortmöglichkeit, empfindet Niklas zunächst seine Emotionen (1), deren Aufkommen als unwillkürliche Gefühlserregungen keiner willentlichen Steuerung unterliegen. Das bewusste Handeln nach dem Empfinden der Emotionen ist, wonach beim Emotionen regulieren gefragt wird.

Insbesondere in der oben geschilderten Situation muss Niklas einen Weg finden wieder Klassenbester zu werden. Die beste Herangehensweise an dieses Problem ist (2) eine Analyse, woran es gelegen hat, dass Niklas nicht Klassenbester war und (3) die Durchführung eines effizienten Lösungsansatzes, das Ziel, wieder Klassenbester zu werden, zu erreichen.

In dieser Antwortmöglichkeit empfindet Niklas seine Emotionen (1), ist sich der Tatsache bewusst, dass sein Schlafmangel die schlechte Note hervorgerufen hat (2) und geht an die Quelle des Problems, seine Geschwister, (3) und schafft dieses Problem sachlich aus der Welt.

Falsche Antworten (A), (C), (D)

(A) In dieser Antwortmöglichkeit empfindet Niklas die Emotion Enttäuschung, kommuniziert sie aber umgehend mit den Personen, die diese Emotion unmittelbar ausgelöst haben, ohne sich Gedanken darüber zu machen, ob es angebracht ist, das zu tun. Darüber hinaus analysiert Niklas in dieser Antwortmöglichkeit die Situation falsch, da in diesem Fall nicht die Klassenkameraden Schuld daran sind, dass er nicht Klassenbester ist, sondern seine Geschwister. Sein Lösungsansatz des Versprechens, wieder der Klassenbeste zu werden, ist nicht mit proaktivem Handeln vergesellschaftet, was eine eher schlechte Methode der emotionalen Bewältigung von Problemen darstellt.

(C): In dieser Antwortmöglichkeit erkennt Niklas, dass der Grund für die schlechte Note die schlaflose Nacht aufgrund seiner Geschwister ist und handelt proaktiv, um wieder eine bessere Note zu erhalten. Er ignoriert jedoch die Emotionen, die in ihm aufkommen und geht dem Grund der Sache nicht nach, was den Umstand zulässt, dass er irgendwann wieder eine schlaflose Nacht durch seine Geschwister erleidet und noch einmal die selben schlechten Gefühle empfinden muss.

(D): Bei dieser Antwortmöglichkeit schiebt Niklas die Verantwortung zur Gänze an seine Geschwister bzw. Eltern ab und befasst sich überhaupt nicht mit seinen Emotionen der Enttäuschung, des Neids und der Wut.

Wie viel Prozent macht dieser Untertest aus?

Die 10 % Gewichtung der sozial-emotionalen Kompetenzen wird bleiben. Generell ist noch nicht klar, wie viel Prozent dieser 10 % auf den Untertest Emotionen regulieren entfallen werden.  Wir werden dich hier aber sofort informieren, wenn wir Neuigkeiten zu diesem Thema haben.

Wie sinnvoll ist dieser Untertest?

Soziale Fähigkeiten mit Situationsbeschreibungen auf Papier abzuprüfen ist schwierig. Weder später als Studierende noch als Ärztinnen wird man im Alltag mit Situationsbeschreibungen konfrontiert sein, die man wieder auf Papier lösen muss. Doch die Testersteller stehen vor dem Problem, dass sie nicht 16.000 Personen interviewen können und müssen sich irgendwie behelfen. Auch wenn der Testteil sozial-emotionale Kompetenzen oft in der Kritik steht, nicht zielführend zu sein, ist es ein Versuch, mehr sozial kompetente Medizinerinnen auszubilden – und das ist eine gute Sache.

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